Fotos sind spannend, wenn sie etwas zeigen, das man in seinem Alltag nicht sieht. Besonders gut funktioniert das im Makro-Bereich.

Was ist fotografisch das Gegenteil von gewöhnlich? Das mag ein ferner Ort sein, eine Szene auf der Straße, die schnell vergeht, oder auch nur ein Blickwinkel, der sich eben nicht aus unserer gewohnten Kopfhöhe ergibt. Wer zeigt, was andere nicht ohnehin ständig selbst anschauen, der wird Aufmerksamkeit erhalten. Für mich ist der Makro-Bereich besonders spannend – denn der ist noch nicht so weit verbreitet, Smartphones und Standard-Kameras tun sich damit schwer.

Was überhaupt eine Makro-Aufnahme ist, lässt sich erst einmal nur technisch erklären (Wer das nicht mag, springt zum nächsten Absatz; Kurzversion: Schaut man einer Fliege in die Augen, hat man ein Makro-Foto vor sich). Entscheidend ist der Abbildungsmaßstab, in der Regel soll er gegen das Verhältnis 1:1 oder noch darüber hinaus gehen. In besseren Digitalkameras ist der Sensor, der das Bild speichert, 3,6 x 2,4 Zentimeter groß. Hat ein Insekt diese Länge und Höhe und füllt das Bild voll aus, ist es im Abbildungsmaßstab 1:1 aufgenommen worden. Das Original vor der Linse und die gespeicherte Information auf dem Chip nehmen denselben Raum ein. Tatsächlich gibt es im durchdefinierten Deutschland sogar eine Norm dafür: DIN 19040. Diese legt Makro allerdings großzügiger auf den Bereich 1:10 bis 10:1 fest. Vor Makro- kommt die Normal-, danach die Mikro-Fotografie.

Drei Faktoren zum Makro-Bild

Wer näher an sein Objekt heran kommen möchte, kommt mit einer längeren Brennweite einen großen Schritt voran. Auch am Vollformat ist ab 100mm schon viel möglich. Eine typische Einstiegskamera mit APS-C-Sensor (Größenvergleich der Sensor-Typen) verlängert von selbst etwa um den Faktor 1,6 – sie käme mit dem erwähnten 100mm-Objektiv also letztlich auf 160mm Brennweite und bietet damit mehr Vergrößerung.

Makro Hauskatze
Nahaufnahmen gestatten auch daheim einen neuen Blick auf die Dinge.

Lange Brennweiten allein nutzen allerdings wenig, wenn die Kamera sich weit weg vom Objekt befindet. Aus 100 Metern Entfernung ist eine Fliege nicht so groß aufzunehmen wie aus zehn Zentimetern. Irgendwann ist bei jedem Objektiv Schluss – die so genannte Naheinstellgrenze setzt ein Limit, was gerade noch scharf gestellt werden kann. Auch das menschliche Auge sieht nichts mehr deutlich, was sich direkt vor ihm befindet. Bei manchem Objektiv können mindestens zwei Meter Abstand Pflicht sein. Dann ist es schwierig für Makro-Aufnahmen. Die konkrete Zahl steht außen auf Objektiven drauf.

Mit möglichst langer Brennweite und möglichst niedriger Naheinstellgrenze des Objektivs gelingt die Nahaufnahme bereits. Noch weiter heran kommt man dann mit Zwischenringen. Diese werden zwischen Objektiv und Kamera geschraubt und tun letztlich nichts anderes, als den Abstand zwischen den Linsen und dem Sensor zu verlängern – im Gegenzug kann die Kamera noch näher am Objekt scharf stellen, der Vergrößerungsfaktor steigt. Wer sich wirklich auf Makro spezialisieren möchte, greift zum Balgengerät. Das schaut aus wie Fotografie vor 100 Jahren und ist für aktuelle Geräte nur von wenigen Herstellern zu erhalten.

Spezielle Probleme im Bereich Nahaufnahmen

Makroobjektive stellen nur einen sehr dünnen Bereich scharf. Sitzt etwa ein Tier frontal vor der Kamera, mag der Kopf toll aussehen, doch die Körperteile dahinter verschwimmen schnell deutlich. Das kann man definitiv gut einsetzen und einen tollen Fokus setzen. Doch langt die Schärfe nicht einmal für den gesamten Kopf eines Insekts, ist das schlicht zu wenig. Auch spezialisieren sich viele Makro-Fotografen darauf, komplette Tiere dokumentarisch abzulichten. Aufwendige Methoden und Nacharbeiten mit Bildbearbeitungs-Software sind die Folgen – für den Amateur ist das nicht praktikabel.

 Makro Klapperschlange
Hauchdünne Schärfeebene im Makro-Bild: Nur ein kleiner Bereich ums Auge der Klapperschlange wird scharf.

Überhaupt die Schärfe: Makro-Aufnahmen verwackeln sehr leicht. Es steht meist wenig Licht zur Verfügung. Ein integrierter oder aufgesteckter Blitz schießt am Motiv vorbei. Das Objekt sollte sich längere Zeit nicht bewegen, damit die Kamera überhaupt ausgerichtet werden kann. Bildstabilisatoren gibt es an vielen Makro-Objektiven nicht und auch vorhandene haben Schwierigkeiten. Wackeln nach lins/rechts lässt sich ebenso ausgleichen wie nach oben/unten; im Makro-Bereich ist allerdings auch Wackeln nach vorne/hinten relevant – und eben das bekommen Bildstabilisatoren nicht ausgeglichen.

Sollen Nahaufnahmen Tiere zeigen, kommt noch ein wichtiger Faktor dazu: Sie fliehen, wenn sich Mensch und Kamera nähern. Muss man auf wenige Zentimeter heran, tun das selbst Reptilien, Spinnen und Insekten.

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